„Ä Tännchen please“ – Weihnachten „uff sächsch“

Wir können fast alles- außer sächsch?

Immer wieder werden wir von unseren Gästen gefragt, warum wir kein typisches „sächsch“- also sächsisch- sprechen. Und ob wir nicht mal was sagen könnten in diesem Dialekt, den ja viele so putzig finden und der immer wieder für diverse Witzeleien gut ist. Nun -es gibt Sachsen, die es können. Die Leibz´scher zum Beispiel- oder auch Gemmnidz. Es mag auch den ein oder anderen Dräsd´ner geben, der dies wundervoll beherrscht. Und dann gibt es viele, die es versuchen- seien es nun Zugezogene oder einfach nur Gäste, die meinen, dann würde man dazugehören- gleich vorweg- tun sie es lieber nicht! Ihr HNO- Arzt würde sich sonst über ganz neue Aktivitäten in ihrem hinteren Nasenbereich wundern, denn da entsteht die ein oder andere echt sächsische Silbe. Und man hört es ihnen an, das sie eben kein echter Sachse sind und das wird schnell als Lustigmache aufgenommen.

Und nun kommt das, was viele nicht wissen: Sehr viele Sachsen sprechen gar kein Sächsch! Fahren Sie mal von Dresden aus nach Osten – da wird es interessant. In der Lausitz allein gibt es nicht nur 2 komplett verschiedene Sprachen (Deutsch+Sorbisch, was eine slawische Sprache ist) sondern aller paar Dörfer unterschiedliche Dialekte. Die Einen „Berlinern“ schon fast, die anderen im Oberlausitzer Bergland sprechen Oberlausitzer Mundart (Abernmauke ist definitiv nicht sächsch…). Nicht zu vergessen auch das Erzgebirge- viel Spaß beim Deuten der Gespräche Einheimischer oder beim Mitsingen der typischen erzgebirgischen Weihnachtslieder- da scheitern selbst Sachsen an ihren Landsmännern!

Und dann gibt es noch die, die schon fast Hochdeutsch sprechen und die, obwohl sie vielleicht in Dresden wohnen, außer dem obligatorischen „NU“ kaum sächsische Sprachneigungen haben. Die wenigsten dieser Sachsen werden auf Anfrage lossächseln- sie wissen, das sie es nicht gelernt haben und achten ihre Landsleute, die es besser können.

Theater uff sächsch

Tom Pauls läd in sein Theater ein. © Foto Daniel Förster. http://www.tom-pauls-theater-pirna.de

 Sächsch erleben zur Weihnachtszeit

Aber wo kann man denn nun richtig echtes Sächsch hören und gleich noch etwas lernen?

Probieren Sie es doch mal mit Tom Pauls! Er ist ein Meister der Bühne und des Theaters und beschäftigt sich in seinen Stücken ausführlich mit dem Sächsischen und der humorigen Seite des Ganzen. Seit einigen Jahren führt er in Pirna sein eigenes Theater im Peter Ulrich Haus und glänzt derzeit wieder mit seinem Weihnachtsprogramm „Ä Tännchen please“. Nun muß man gleich dazu sagen- er ist so gut wie immer ausverkauft und für dieses Jahr werden Sie keine Karten mehr bekommen. Aber nächstes Jahr ist ja auch wieder Weihnachten und frühzeitig buchen lohnt sich, wie wir aus eigener Erfahrung bestätigen können.

 

In seinem Programm widmet er sich unter anderem auch der Meisterin der sächsischen Sprache: Lene Voigt. Sie gilt auch heute noch als Symbol für sächsischen Witz und Poesie. Kennen Sie nicht? Dann haben wir hier mal ein Beispiel, welches wir durch Tom Pauls kennenlernten und Ihnen nicht vorenthalten wollen. Und denken Sie dran beim Laut lesen und der Mundakrobatik: Mr Sachsn sin gemiedlich, also schön langsam sprechen, den militärischen Schneid überließen wir schon immer unserem preußischen Nachbarn.

Ein Gedicht zum Feste

Dr Abbel und de Nuss

Ä Abbel hing am Weihnachtsboom

un dachte in sein Griebse:

de goldche Nuss am Zweich da ohm,

das wär mei Fall. Ich liebse.

De gleene Nuss war ihrerseits

däm Äbbel och gewoochen.

un so hat jeder dorch sein Reiz

dn andern angezoochen.

Se dreimten beede vor sich hin

un winschten bloß das eene:

ämal im gleich Maachen drin

zu schdärm. Ach wär das scheene.

(Lene Voigt)

Informationen zur Lene-Voigt-Gesellschaft und ihrem Werk finden Sie hier.

Und hier geht es zum Tom Pauls Theater in Pirna.

 

Susann Wuschko
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