Der Buß- und Bettag

Nur in Sachsen gibt es ihn noch: den Buß- und Bettag als gesetzlichen Feiertag, gefeiert am Mittwoch vor dem Ewigkeitssonntag, dem letzten Sonntag im Kirchenjahr.

1994 in fast allen Bundesländern zur Finanzierung der Pflegeversicherung gestrichen, blieb der gerade erst nach der Wende hier eingeführte Feiertag im Freistaat Sachsen erhalten.

Doch warum gerade Sachsen und was steht eigentlich hinter diesem Feiertag?

Im Lauf der Geschichte wurden immer wieder Buß- und Bettage aus bestimmten Anlässen gehalten. In Krisen- und Notzeiten sowie bei besonderen Gefahren wurde die ganze Bevölkerung zu Umkehr und Gebet aufgerufen. So gab es eine Vielzahl unterschiedlichster Termine in den verschiedenen Territorien Deutschlands. 1878 zum Beispiel gab es in den deutschen Ländern insgesamt 47 Bußtage an 24 unterschiedlichen Tagen. Doch suchte man nach einer Ordnung und so wurde in Preußen ein einheitlicher Buß- und Bettag an eben diesem Mittwoch gesetzlich verankert. 1934 wurde der Buß- und Bettag dann zum gesetzlichen Feiertag im gesamten Deutschen Reich. 1981 auch in den katholischen Gebieten eingeführt, wurde nach der Wende dieser Tag einheitlicher Feiertag im gesamten Bundesgebiet. Nach der Wende erweiterte sich der Tag auch auf die neuen Bundeländer, um dann nach nur vier Jahren in den meisten Bundesländern zur Finanzierung der Pflegeversicherung wieder gestrichen zu werden.

Für die evangelischen Christen ist es ein Tag des Innehaltens, des Besinnens und hat mit dem eigentlichen „Büßen“ nur wenig zu tun.

Vielmehr soll sich Zeit genommen werden, seinen Glauben zu reflektieren, sich Zeit für Gott zu nehmen. Diese besondere Beziehung zu Gott, die allein durch den Glauben begründet wird, ist zentrales Thema der lutherischen Theologie und so wird vielleicht auch ein bisschen verständlich, warum gerade hier in Sachsen, als der Wiege der Reformation dieser Tag noch ein besonderer ist.

Claudia Innerhofer
About the Author
Claudia Innerhofer