DIE „BAUSTELLE“ DRESDEN- BAU UND ERHALT

Eine Stadt im Bau-Wandel

Dresden gilt für viele als die Perle des Barock. Man denkt an den Zwinger, die Frauenkirche oder die Semperoper. Meist klingt es so, als wären diese Gebäude schon immer da gewesen- als wären sie nie in einer einzigen Nacht zerstört worden. Der Wiederaufbau der historischen Gebäude scheint heute, nachdem fast alles wieder „so wie früher“ wirkt, selbstverständlich.  Dabei vergisst man allzu oft, das diese Gebäude nicht in allen Details dem früheren Vorbild entsprechen können- neue Sicherheitsvorschriften sowie veränderte Bedürfnisse an den Komfort sind ebenso einzuplanen wie die schiere praktische Nutzbarkeit einer schönen, historischen Hülle. Am Neumarkt wird dies in Dresden jedem klar, der einmal hinter die Fassaden schaut- Modernität im Bau so weit das Auge reicht.

Dies soll natürlich nicht heißen, das es schlecht wäre!- Wer will denn noch in zugigen, winzigen Zimmern mit Kohleofen hocken, wenn es auch anders geht? Manchmal muss man auch einfach bei all der Historie einer Stadt ehrlich bleiben- und auch die Moderne annehmen.

Ein spannendes Stadtbild

In den letzten Jahren haben wir uns des öfteren mit unseren Gästen über Sinn und Unsinn, Schönheit oder eben empfundener Provokation in Form moderner Architektur unterhalten. Manchmal ist es ein Spagat, nicht immer sind wir mit dem einverstanden, was entsteht. Aber auch das macht den Reiz einer Stadt aus- die Gegensätze, die Reibung und damit aber auch die Beschäftigung mit der Zukunft. Und auch in Dresden gibt es den ein oder anderen Bau, der Gemüter erhitzt, jeden Laien-Architekten auf die berühmte Palme bringt und alle wissen es besser. Ja- Dresdner mischen sich ein und mischen mit. Sie können nicht anders- sie leben Dresden von Geburt an, lieben ihren Pöppelmann und Semper. Da hat man es als ein Libeskind oder Kulka schwer.

Die Macht der Gewöhnung

Aber Dresdner können auch anders. Fragen sie mal einen gestandenen Dresdner nach der „Zitronenpresse“! (Da wir uns als Dresdner fühlen erfahren Sie den Hintergrund bei jeder unserer Führungen.)

Oder was ist die Tabakmoschee? Das Aquarium? Der Kulti?

Sie merken es? Der Dresdner fühlt sich zärtlich zu seinen einstigen „Bausünden“ hingezogen. Immer dann, wenn er sich einen Spitznamen einfallen lässt, heißt das auch, er hat akzeptiert, das dieser Bau nun zu seiner Stadt gehört. Er muß es nicht mögen, aber so richtig wegdenken kann er sich so manches auch nicht mehr- meist fehlt etwas erst, wenn es abgerissen wird.

Die folgenden Beiträge der letzten Jahre spiegeln dieses Hadern, das Reiben und schliessliche Akzeptieren wider. Und ja, wir haben auch neue „Spitznamen“ für Bauten der letzten Jahre. Ganz viele Dresdner fahren jetzt immer über die „Fledermausbrücke“…

 


 

21. August 2013

DIE ERÖFFNUNG DER WALDSCHLÖSSCHENBRÜCKE

Schon vor über 100 Jahren machten sich die Dresdner erste Gedanken über den Bau einer neuen Elbüberquerung zwischen Albertbrücke und Blauem Wunder. Doch in die Tat umgesetzt wurde der Plan nicht. Zumindest nicht bis vor einigen Jahren, denn der Bürgerentscheid von 2005 brachte der Stadt dieses neue Bauprojekt. Zwei Jahre später erfolgte der Spatenstich und nun im August ist es soweit, nach sechs Jahren wird die Waldschlösschenbrücke eröffnet. Dadurch besitzt Dresden nun eine neue Nord-Südostverbindung, die die anderen Brücken entlasten soll.

Doch so glimpflich und unscheinbar lief der Bau in den letzten Jahren nicht ab. So gab es zwischendurch mehrere Monate Baustopp, da der Lebensraum der Hufeisennasenfledermaus durch die Brücke gefährdet schien. Ein Kompromiss dafür konnte gefunden werden. Jedoch nicht in einem anderen Streitpunkt, denn durch den Brückenbau wurde dem Dresdner Elbtal 2009 nach nur fünf Jahren der Welterbetitel der UNESCO aberkannt. Eine Entscheidung, die die Gemüter der Bürger zumindest zeitweise erhitzte.

Kommen Sie doch einfach mal (wieder) nach Dresden und schauen sich die über 600m lange Brücke vor Ort an! Und vielleicht kommen Sie auch bei uns, DresdenWalks, am Schlossplatz vorbei. Wir würden uns freuen, Sie zum Stadtrundgang begrüßen zu können und Ihnen weitere Neuigkeiten zu erzählen!


15. Mai 2012

Der Neumarkt wächst – Quartier VIII eröffnet

Bei all unseren Stadtrundgängen durch die Altstadt erzählen wir unseren Gästen vom Wiederaufbau der Häuser auf dem Neumarkt. Es ist das Gebiet, welches sich in den letzten Jahren am stärksten mit verändert hat und nun Dresden seinen früheren Charme wiedergibt.

Vor 1945 waren der Neumarkt und das Areal drum rum ein lebendiges Zentrum mit zahlreichen Bürger- und Adelshäusern gewesen, doch nach den Bombenangriffen blieb der Bereich größtenteils unbebaut. Doch seit dem Wiederaufbau der Frauenkirche werden nun auch diese Lücken geschlossen und die einst typischen Gassen entstehen wieder.

Im April war es wieder soweit. Ein neues Quartier wurde eröffnet. Das 5.700m² große Quartier VIII zwischen Johanneum und Schlossstraße wurde in den letzten zwei Jahren von der Baywobau GmbH unter der Leitung von Bernd Dietze wieder aufgebaut.

Vier Leitbauten mit historischen Grundrissen zählt das Quartier. Dazu gehören die Schlossstraße Nr. 34 sowie die Schössergasse Nr. 16, 18 und 27. Die meisten anderen Fassaden wurden ebenso historisch rekonstruiert, nur wurde bei diesen der Grundriss verändert.

In der Schlossstraße, die direkt neben dem Residenzschloss entlang führt, wurden bis auf ein Eckhaus alle Fassaden historisch wieder aufgebaut.  Zu den markantesten Häusern in dieser Straße zählt sicherlich das Haus Nr. 34 (Hoffmannseggsche Haus) mit dem überlebensgroßen Standbild von Daniel Pöppelmann, dem Hofarchitekten Augusts des Starken, der dieses Haus einst bewohnte. Die noch erhalten gebliebenen Gewölbe aus dem 15. Jh. wurden in den Bau des Hauses mit einbezogen und bilden jetzt den Wellnessbereich des kürzlich dort eröffneten Swissotels mit 235 Zimmer und Suiten.

Parallel dahinter verläuft die Schössergasse (ein Schösser war früher übrigens ein Steuereinnehmer gewesen). Die meisten Häuser in dieser Straße beherbergen im EG Geschäfte, aber darüber hinaus wird es auch ein Aparthotel geben mit 29 Apartments, die für einen oder mehrere Tage gebucht werden können, was sicherlich für Besucher auf Grund der zentralen Lage sehr attraktiv ist.

Nur wenige Meter entfernt, Haus Nr. 18, direkt neben dem Stallhof gelegen, wird ab Mitte dieses Jahres die Wohnresidenz ‚Löwenhof‘ mit 19 Eigentumswohnungen Einzug halten.

Und zu guter Letzt lohnt sich der Bummel durch das kleine Kanzleigässchen, denn dort befindet sich an der Fassade Dresdens berühmteste Tänzerin Gret Palucca. Falls sie diese auf den ersten Blick nicht gleich entdecken sollten, helfen wir Ihnen natürlich gern täglich ab 10.30 Uhr während unserer Rundgänge weiter.

(Anke Winkler)


 

 

 

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DresdenWalks- das sind nicht nur Gästeführer die Euch täglich die Stadt zeigen. Wir möchten Euch Dresden und Sachsen auch zum Nachlesen bieten. Wir bloggen hier über Aktuelles wie Feste, Bauvorhaben oder Kunst ebenso wie über geschichtliche Begebenheiten, Persönlichkeiten oder einfach die Dinge, die uns am Herzen liegen.