Fasching in Sachsen

Fastnacht im protestantischen Sachsen?

Sachsen ist als reformiertes Land nicht wirklich prädestiniert für die 5. Jahreszeit. Der Name Fasching leitet sich von Fastnacht ab- ein Hinweis darauf, das es die Zeit vor der großen Fastenzeit ist, die im katholischen Glauben zu finden ist. Wie kommt es nun aber, das auch die Sachsen sich gern mal verkleiden? Haben sie vergessen, das es ein kirchlicher Brauch ist und feiern den weltlichen Fasching? Oder dürfen wir Sachsen auch da wieder bei unserem Allvater August dem Starken die Hintergründe suchen?

Verkleidung mit Geschichte

August war katholisch- allerdings wohl eher aus politischen Gründen, strebte er doch die Krone Polens an und erreichte diese auch durch seinen Religionswechsel. Seine Ehefrau Christiane Eberhardine stellte sich dagegen und war nur auf dem Papier Königin in Polen. Aber August war Repräsentant seines Staates, wie ein Ludwig XIV. wollte er sein. Und so ließ er auch keine Gelegenheit aus, sich und sein Land in prunkvollstem Licht erscheinen zu lassen. Man trug nicht nur ein Kostüm, wenn man sich als Mercurius zeigte- man wurde dazu. August selbst war „Festarrangeur“, nichts überließ er dem Zufall. Bereits 1695 zeigt er im Karneval durch den Götteraufzug sein Talent, ein Höhepunkt folgt in den Hochzeitsfeierlichkeiten seines Sohnes 1719, für welche der Zwinger entstehen wird. Mehr zu dieser Hochzeit erfahren Sie übrigens immer bei unseren Führungen…

Beim Karneval 1722 zeigt sich dann die Optimierung seiner Planungen. Er zeichnet eigenhändig Kostüme und notiert auf Vorhandenem eventuelle Änderungen. Und August recycelt! Kostüme werden umgearbeitet, Prunkwagen wiederverwendet- auch damals schon war die Staatskasse nicht bodenlos und selbst der König in Polen muß eben auf die Taler achten!

Beweis für den Prunk im Dresden seiner Zeit ist u.a. eine Aussage des Johann Michael von Loen, welcher 1718 in Dresden weilte:

„…Dresden schien zu meiner Zeit ein rechtes bezauberndes Land, welches sogar die Träume der alten Poeten noch übertraf. (…) Hier gab es immer Maskeraden, Helden und Liebesgeschichte, verirrte Ritter, Abentheur, Wirtschaften, Jagden, Schützen und Schäferspiele, Kriegs- und Friedensaufzüge, Ceremonien, Grimassen, schöne Raritäten; kurz, alles spielet: Man siehet zu, man spielet mit, man wird selbst gespielt.“

Dieses Zitat fanden wir in einer Publizierung des Kupferstich-Kabinett Dresden zur früheren Sonderausstellung „Eine gute Figur machen- Kostüm und Fest am Dresdner Hof“. Noch heute sind die Kunstsammlungen Dresden eine der wichtigsten Quellen höfischer Geschichte. Dank Augusts Willen, sein Zeitgeschehen für die Nachwelt graphisch festzuhalten und der Achtung dieser Werke durch spätere Generationen ist Dresden heute in der glücklichen Lage, ganze Hoffeste nachvollziehen zu können.

Fasching im Hier und Jetzt in Sachsen

Ob es nun den Sachsen im Blut verankert ist zu feiern oder reiner Zufall- auch heute noch findet man in Sachsen Karnevalsvereine mit Prinzenpaaren. Es gibt den Verband Sächsischer Carneval e.V., auf dessen Internetseite Sie auch die aktuellen Daten der Umzüge finden. Interessanterweise liest man dort Orte wie Wittichenau oder auch Schirgiswalde- bis heute sind diese Orte eher katholisch geprägt. Und so ist Fastnacht eben doch noch ein christlicher Brauch vielerorten.

Wer große Umzüge wie in Köln erwartet, wird wohl enttäuscht werden.

In Sachsen findet der Fasching oftmals auch als eintägige Veranstaltung als „Saalfasching“ statt- also nicht als Umzug sondern nur als eine Art Ball, übrigens auch in Dresden. Und manchmal zeigt sich dann auch, das wir es mit der „Fastnacht“ im kirchlichen Sinne nicht ernst nehmen. Jede Menge Faschingsveranstaltungen finden erst im März statt- der absoluten Fastenzeit!

Camprowanje -Das Zampern. Eine sorbische Besonderheit

Erwähnenswert ist natürlich das sorbische Zampern in den Orten der Lausitz, meist im Januar von der Dorfjugend abgehalten und- man muß es zugeben- eine recht „alkoholschwangere“ Veranstaltung. Man denkt sich eine „Nummer“ aus und zieht dann als Umzug von Haus zu Haus. Dort erhalten die Führenden des Zuges (in sorbischer Tracht) Eier und Geld als Spenden für die Jugend. Danach folgen die einzelnen Kostümierten- je nach Aufwand der Wagen und Themen und fortschreitender Stunde kann dies dann bis spät in den Nachmittag gehen. Gefürchtet sind Clown und Schornsteinfeger, welche die Kinder und natürlich auch die Damen mit Ruß beschmieren- dies soll übrigens Glück bringen und ist nicht als Bestrafung gedacht, auch wenn die Kinder sich einen Spaß draus machen, von den Beiden gejagt zu werden. Abends marschiert man dann auf den Saal ein und es wird weiter gefeiert.

Ein Faschingsdienstag mit Folgen

Für die Landeshauptstadt hat das Datum des Faschings leider auch eine traurige Seite. Der 13. Februar 1945 war der Faschingsdienstag. Kinder zogen am Tag noch durch die Stadt- kostümiert und lachend. In der Nacht wurde die Innenstadt beim Luftangriff in Schutt und Asche gelegt. Seitdem ist dieser Abend nicht durch Kostüme und Lachen geprägt sondern durch stilles Gedenken und das Läuten der Kirchenglocken gegen 22.03 Uhr- dem Beginn des Angriffs. So fühlt es sich in Dresden jedes Jahr so an, als wäre der Karneval nicht erst Aschermittwoch vorbei sondern etwas eher.