Sag mir, wo die Pusteblumen sind…

Wenn Sie mit dem Zug am Dresdner Hauptbahnhof ankommen und sich an unserer Wegbeschreibung zum Treffpunkt orientieren werden Sie auf einen Brunnen stossen, dessen Fontänen unweigerlich an Pusteblumen erinnern.

Pusteblumen © SLUB / Deutsche Fotothek / Steuerlein, Asmus

© SLUB / Deutsche Fotothek / Steuerlein, Asmus

„Internationaler Style“ auf dem Weg vom Hauptbahnhof zur Altstadt

Die Prager Strasse präsentierte sich seit dem Ende der 60er Jahre ganz weltoffen und international mit Touristenhotels, Touristengärten, einem Rundkino und Brunnenanlagen die zum Verweilen einluden. Im Buch: Historische Straßen und Plätze heute. Dresden von W.Volk aus dem Jahre 1974 klingt dies dann so:

Zitat: „Dieser südliche Teil der neuen Prager Straße erhält eine festliche Note durch die Hintereinanderreihung von Wasserbecken mit verschiedenartig gestalteten Wasserspielen. Sie wurden entworfen und angefertigt von Leonie Wirth und dem Kunstschmied Karl Bergmann. Besonders beliebtes Fotomotiv sind die „Pusteblumen“ vor dem Eiscafé. Sehr reizvoll und wieder anders gestaltet ist der Brunnen mit Überlaufbecken an der Treppe, die die Straße in einen nördlichen und einen südlichen Abschnitt teilt.“

Die Brunnenanlagen der Leonie Wirth prägten für Jahrzehnte das Aussehen der Fußgängerzone und schufen Ruhepunkte zum Verweilen. Es waren nicht ihre einzigen Arbeiten dieser Art, das Thema Brunnen scheint heute aber letzte Erinnerung an die Bildhauerin zu sein. Am Pirnaischen Platz erinnert noch der Glasbrunnen an sie. Leider war die Wiedervereinigung kein Freund des Sozialistischen Städtebaus, auch wenn „die Prager“ gar nicht so typisch DDR war sondern vielmehr als Ende der Nationalen Tradition galt und sich an der Fußgängerzone „Lijnbaan“ in Rotterdam orientierte.

Pusteblumen © Deutsche Fotothek / Sørensen, Inger

© Deutsche Fotothek / Sørensen, Inger

Aber sie sind doch immer noch da?

Wer heute vom Hauptbahnhof in Richtung Altstadt läuft, meint immer noch „den“ Pusteblumen – Brunnen der Leonie Wirth zu sehen. Auch heute gibt es da ein Brunnenbecken und 3 kleine, nicht so recht zum Maßstab der großen weiten Fläche passende Pusteblumen, die vor allem Kinder erfreuen. Auch die Touristenhotels glänzen heute als Ibis-Hotels mit modernsten Freigängen vor der Tür, um Fußgänger im Trockenen zu halten und in die zahlreichen Geschäfte einzuladen. Aber es ist nicht mehr die selbe Prager Strasse! Im Jahre 2004 gab es weitreichende Umbauten, die in diesem Fall aus der langen Strasse einen großen Platz machen sollten. Ganze gestalterische Strukturen wurden entfernt, individuelle Pflasterung der Wege wich monotonem Beton. Und aus den großen Brunnenbecken einer Frau Wirth wurden kleine Wasserflächen, in denen gerade mal noch Platz für drei der Brunnenelemente war. Leonie Wirth klagte darauf und sah ihr Urheberrecht verletzt.

Rettung als kleiner Trost

Wenn sie auch nicht bewirken konnte, das ihre Wasserinstallation vollkommen zurückkehrt, gibt es doch zumindest einen kleinen Lichtblick. In Dresden Prohlis am Albert-Wolf-Platz, einem wirklich typischen Plattenbaugebiet, wurden die größeren Pusteblumen in alter Schönheit und mit der Ergänzung der weiteren Elemente des ehemaligen Brunnens erhalten und sind heute wieder zu bewundern. Zur Freude der Anwohner und der wirklich wenigen Touristen, die ihren Weg dorthin finden. Und ja- auch heute noch leben manche Menschen gerne in „der Platte“. Denn nicht immer ist sie so grau und anonym wie es auf der Prager Strasse heute – nachdem die ungnädige Modernisierung sie veränderte- den Anschein hat. Wer also wirklich wissen will, wie es damals war, als auch in der DDR ein kleiner Aufwind wehte und man seinen Bürgern ein Internationales Gefühl geben wollte, sollte die Prager Strasse nicht als das typische Beispiel anführen, sondern muß wohl eher anderswo suchen, um nicht dem Sinnspruch „Früher war alles Grau“ zu verfallen.

Eine Sonderausstellung als Ehrung

Leonie Wirth wäre dieses Jahr 80 Jahre geworden (1935-2012). Aus diesem Anlass widmet das Kunsthaus Dresden ihr vom 01.11.15- 06.03.16 eine Sonderausstellung mit dem Thema:

Ortstermin mit Leonie Wirth – Modelle und Entwürfe aus dem Atelier von Leonie Wirth und zeitgenössische Positionen zu Abstraktion und Moderne

Adresse: Kunsthaus Dresden (Städtische Galerie für Gegenwartskunst) , Rähnitzgasse 8, 01097 Dresden

Das Kunsthaus Dresden befindet sich in der Inneren Neustadt und ist fußläufig von unserem Treffpunkt am Schloßplatz leicht zu erreichen.

 

 

 

 

 

 

Susann Wuschko
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